Bigorexie ? Die Jagd auf gepumpte Muskeln

von Bente Rostgaard Nissen

Bigorexie (muskeldysmorphie) ist in vielen Fitnesszentren in dieser Welt zu finden.

Auch Jungs haben Ess- und Körperstörungen. Das Ziel ist ein muskulöser und fettfreier Körper. Die Mittel sind Fitness, proteinreiche Kost und in manchen Fällen auch anabole Steroide. Sie haben, laut einem Psychologen, eine Art Schwarzenegger-Syndrom.

Nicht nur Mädchen haben Ess- und Körperstörungen.

Manche Jungs haben auch ein so problematisches und zwangsmäßiges Verhalten zu ihrem Körper mit Hinblick auf Essen und Gewicht. Jedoch verfolgen Jungs nicht das Ziel sehr schlank auszusehen, im Gegenteil, sie wollen größere und gepumpte Muskeln haben.

Der Weg zu aufgepumpten Muskeln ist Training im Fitnesscenter, drei Stunden am Stück, 5-6 Tage in der Woche, mindestens 5-6 streng abgestimmte proteinreiche Mahlzeiten am Tag ? und oft auch anabole Steroide, die als Abkürzung zu größeren Muskeln missbraucht werden ? aber auch um Muskeln zu bekommen die grösser sind als man auf natürliche Weise erreichen kann.

Diese Form von der Körperstörung wird, Bigorexie (Englisch: Big ? Gross) oder auch Adonis-Komplex genannt.
„Die jungen Männer haben das gleiche Verhaltensmuster wie Mädchen mit Magersucht. Beide verfolgen den fettfreien Körper und beide verfolgen auch einen Körperstereotyp. Mädchen den dünnen Körper und Jungs den muskulösen. Psychologisch sieht es aus, als seien es die gleichen Mechanismen: Beide Geschlechter haben Probleme ihren Körper realistisch zu sehen,“ sagt Psychologin Susanne Andersen.
Sie ist neuausgebildete Cand. Psych. und hat ihre Diplomarbeit in Bigorexie geschrieben. Die Diplomarbeit ist die erste Wissenschaftliche ihrer Art in Dänemark. Ihr zufolge trägt unsere Körperfixierte Gesellschaft eine Größe Schuld an den Körperstörungen.

In ihrer Diplomarbeit hat sie zwei junge Männer interviewt, die unter Bigorexie gelitten haben, jedoch nicht in einem Grad wo eine Behandlung nötig war. Heute sind beide Mitte Zwanzig und beide aus der Körper- und Trainingsmanie draußen. Jedoch steuerte der Wunsch nach einem Muskulösen Körper größtenteils ihres Lebens im Alter von 16-17 Jahren.

Dünn und Schwach

„Die jungen Männer beschreiben, dass sie einen kleinen dünnen Jungen im Spiegel sahen, obwohl sie grösser und muskulöser geworden waren. Sie erzählten, dass sie nicht selber das Training und die systematischen Mahlzeiten steuerten ? es war der Lifestyle und das Training welches sie steuerte. Bereits damals empfanden sie es als Sucht, konnten jedoch nicht einfach aufhören,“ sagt Susanne Andersen

Der eine begann hart zu trainieren, weil er klein, schwach und unter Mobbing in der Gesamtschule und Gymnasium litt. Dies hörte jedoch auf, im gleichem Takt wie die Muskeln wuchsen.

Susanne Andersen hat keine konkrete Vorstellung wie viele Jungs und junge Männer in irgendeiner Form unter Bigorexie leiden. Es gibt keine Untersuchungen, die dies klarlegen. In den USA schätzt man, es handelt sich um ca. 1 Prozent.
„Ich glaube, viele Bigorexie-Jungs verhalten sich wie normale Jungs, und sehen unmittelbar gesund aus. Es ist keineswegs gesund ein zwangsmäßiges Verhältnis zum Körper, Essen und Sport zu haben. Manche werden jedoch auffallen, wenn ihre Muskeln plötzlich anormal schnell wachsen. Dies ist oft ein Hinweis auf anabole Steroide.“ sagt Susanne Andersen.

Einer der beiden jungen Männer, die Susanne Andersen interviewt hat erzählt, dass er zu Zeiten von Steroiden Gebrauch gemacht hat und das er dadurch größere Muskeln bekommen hat. Aber auch die Nebenwirkungen, wie Schmerzen im Körper, Wasser im Körper. Andere erleben Nebenwirkungen wie Potenzprobleme, wachsende Brüste und Probleme mit dem Herz.

Susanne Andersenes Gesichtspunkte wird durch einer neuen Untersuchung von Antidoping Dänemark bestätigt.
Die Untersuchung beschreibt, dass der typische Missbrauch von Doping durch männliche Sportler und Benutzer von Fitnesscentern ist.
„Ich glaube, dass es wichtig ist Doping und Steroide nicht nur als Schummelei anzusehen. Viele benutzen Doping nur für das aussehen ? nicht um sportliche Ergebnisse zu verbessern. Sie haben ein krankes und zwangsmäßiges Verhalten zum Idealbild,“ so Andersen.

„Unsere Gesellschaft hat ein unglaublichen Fokus auf den Körper. Es wurde viel diskutiert, wie schädlich Barbie-Puppen für das Ideal der Mädchen sind. Niemand hat jedoch darüber geredet, wie überdimensioniert muskulöse Actionfiguren Jungs beeinflussen. Ein Actionheld war mal ein muskulöser Mann. Heute ist es ein grotesk muskulöser Mann, der Arnold Schwarzenegger wie einen Magersüchtigen aussehen lässt. Wie beeinflusst es Jungs,“ fragt Susanne Andersen.

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